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Kois reisen von Japan nach Erda

TIERZUCHT Markus Rupp fliegt regelmäßig zum Karpfenkauf nach Nippon

Immer wieder fliegt er regelmäßig nach Japan, um bei Ogata als einer der größten Farmen des Landes einzukaufen. Im Laufe eines Jahres ziehen so mehrere Hundert Fische nach Erda um.

 

Zurück zu den Männern am kleinen Becken, die keine einfache Aufgabe haben. Denn sie müssen in Windeseile das Potenzial eines Nishikigoi, wie die Tiere auch genannt werden, erkennen.

 Dabei geht es nicht nur um kräftige Farben und ihre zukünftige Entwicklung, sondern auch um Zeichnung, Körperform sowie Wachstumspotenzial. Dass die Herren jedoch direkt vor Ort beäugen können, ist schon ein Privileg. „Es ist gar nicht so einfach, bei Ogata eingelassen zu werden. Und ohne Anmeldung geht sowieso gar nichts“, erzählt Rupp, der regelmäßig einige hundert Fische von der Farm importiert. Und gerade die Möglichkeit der Auswahl führt den Mittelhessen immer im Frühjahr ins Land der aufgehenden Sonne.

„Hier kann ich mir die Tiere aussuchen, die ich haben möchte“, so der Erdaer, der es auf ganz bestimmte Varietäten – so nennt man die unterschiedlichen Koi-Sorten – besonders abgesehen hat. Beispielsweise auf Goshiki, fünffarbige Nishikigoi, bei denen zumeist rote und blaue Töne dominieren. Von dieser Varietät seien unter vielen tausend Fischen bei Ogata meist nur wenige. Ja, das klingt nach Arbeit, und tatsächlich ist Rupp während seiner siebentägigen Reisen meist mindestens drei Tage von morgens bis abends mit der Auswahl beschäftigt.

In den Becken schwimmen schon mal mehr als 5000 Tiere

„In einem Becken mit kleineren Fischen schwimmen schon mal mehr als 5000 Exemplare, von denen es in Windeseile die besten herauszusuchen gilt.“ Bei uns ist diese Zuchtform des Wildkarpfens als farbenfroher Bewohner von Gartenteichen beliebt.

In Japan dagegen „sind die Koi ein großes Prestigeobjekt“. Das kann durchaus Geld kosten: Absolute Spitzentiere stoßen schon in die Kategorie jenseits der 100 000 Euro vor.

Doch solche Exemplare sind in der Regel nur in Japan, im Rest der Welt dagegen selten zu sehen. Übrigens: Am 5. Mai wehen beim Kindertag in Japan an vielen Orten farbenfrohe Koi-Fahnen. Der Grund: Von den Karpfen sagt man, dass sie genug Kraft haben, um gegen die Strömung zu schwimmen. Eine Eigenschaft, die man mit den Flaggen den Kindern wünscht.

Bei jeder seiner Reisen nimmt sich Rupp natürlich auch Zeit, um Land, Leute und Kultur näher kennenzulernen. „Die Japaner sind faszinierend“, erklärt der Erdaer, der gerade von der Freundlichkeit und Höflichkeit der Menschen beeindruckt ist und auch Sehenswürdigkeiten wie Tempelanlagen besichtigt.

Aber was ist eigentlich aus den selektierten Koi geworden? Per Luftfracht sind sie über die Zwischenstation Frankfurter Flughafen in Hohenahr angekommen. Alle sind gut drauf und haben Hunger – untrügliches Zeichen für Gesundheit. Und auch das ist beim Blick auf die Becken in Erda klar: Die hohe Konzentration beim Selektieren hat sich gelohnt.

Presseartikel Wetzlarer Neue Zeitung vom 12.04.2015 VON STEPHAN SCHOLZ